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Google kämpft für „bessere Werbung“ Datenschutz, Online Marketing, Web Entwicklung 05. März 2018

Google kämpft für „bessere Werbung“

Googles neuer Chrome Ad Filter, der störende Werbung blockieren soll, ist jetzt seit Mitte Februar im Einsatz. Parallel dazu hat sich Brad Bender, zuständig fürs Produktmanagement im Display-Geschäft, auf Europatour begeben, um Befürchtungen zu zerstreuen, dass der Suchmaschinenriese sich in einen großen Schleusenwärter für Anzeigenwerbung verwandelt. In seinen jüngsten Interviews, unter anderem in HORIZONT online und dem Berliner Tagesspiegel, lautet seine Kernbotschaft, dass es allein darum gehe, „Online-Anzeigen qualitativer und informativer zu machen und das Nutzererlebnis positiv zu gestalten“. Deshalb beteilige sich Google seit dem Gründungsjahr 2016 auch an der „Coalition for better Ads“. Durch Befragungen von Internet-Nutzern hat dieser weltweite Zusammenschluss bislang zwölf Werbeformate ermittelt, die als besonders störend empfunden werden.

„Publisher sind auf dem richtigen Weg“

Schon 2016 hat Google mehr als 1,6 Milliarden störender Anzeigen aus dem Netz genommen. Publisher, die Werbung ausliefern, die den Standards nicht entspricht, werden von Google darauf aufmerksam gemacht. Dann bleiben ihnen 30 Tage, um daran etwas zu ändern. Auf globaler Ebene arbeitet der Suchmaschinenkonzern derzeit mit drei Millionen Publishern zusammen. 65 Prozent derjenigen, denen bei ihrer Werbung das Signal „failing“ gegeben worden war, hätten, so Bender, das Problem behoben. Die Publisher seien „auf dem richtigen Weg“. Und darum stellt für den Google-Manager das Adfiltering im größtenteils werbefinanzierten freien Internet auch keine Gefahr dar, selbst wenn das nicht wenige Marktteilnehmer anders sehen.

„Machine Learning kann einzigartige Erkenntnisse liefern“

Bender hält es außerdem für möglich, dass den Nutzern künftig eher weniger Werbung angezeigt wird. Denn Google setze auf die Nachhaltigkeit des Internets und dafür sei es fundamental, „dass die Nutzererfahrung stimmt“. Je mehr Medienformen digitalisiert würden, desto mehr Zeit verbrächten Menschen im Netz. „Wir müssen sicherstellen“, sagt Bender, „dass es ein Ort bleibt, an dem man gerne Zeit verbringt.“ Um die Online-Werbung immer weiter zu verbessern, setzt Bender auch auf Künstliche Intelligenz. „Machine Learning“ könne „einzigartige Erkenntnisse“ zu Online-Werbung liefern, zu denen Menschen nicht in der Lage seien. „Machine Learning“ helfe Google überdies dabei, die besten Kombinationen aus Targeting, Auktionsgeboten und Creatives herauszufinden.

„Intelligente Displaynetzwerk-Kampagnen“

Google habe, so Bender, „Intelligente Displaynetzwerk-Kampagnen“ ausgerollt, bei denen der gesamte Prozess der Ausrichtung, Gebotseinstellung und Anzeigenerstellung automatisiert und somit auch vereinfacht werde. „Wir konnten so 20 Prozent mehr erfolgreiche Conversions – also das Erreichen eines bestimmten Zieles – bei gleichbleibenden Kosten erzielen.“ Kunden wie der deutsche Reisevermittler Trivago hätten den Erfolg ihrer Anzeigen sogar um bis zu 36 Prozent steigern können.

Datenschutzgrundverordnung: Google unterstützt die Richtung

Die im Mai wirksam werdende Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union bereitet den Google-Managern offenbar keine größeren Kopfschmerzen: Sie hätten, so Bender, eine Menge Leute, die daran arbeiteten, „dass wir die Verpflichtungen der Datenschutzgrundverordnung erfüllen“. Google unterstütze die Richtung, die mit der Verordnung eingeschlagen werde, weil sie „gut für die Nutzer ist“. Nach Einschätzung Jan Philipp Albrechts, Grünen-Abgeordneter im Europaparlament und maßgeblich an der Ausarbeitung der neuen Schutzregeln beteiligt, scheinen die großen US-Plattformen deutlich weiter zu sein als manche europäischen Unternehmen. Viele machten das neue europäische Recht zum „globalen Standard für ihren Umgang mit personenbezogenen Daten und ihren internen Prozessen“. Nicht zuletzt, so Albrecht, „wegen der Marktmacht des europäischen Binnenmarkts“. Die neu eingerichtete Seite für Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook etwa betrachtet der Grünen-Parlamentarier nicht nur als Fortschritt, sondern auch als „direkte Folge unseres neuen Rechtsrahmens“. (rst, tagesspiegel.de, horizont.net, spiegel.de)

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