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Google soll schon wieder Rekordstrafe zahlen Mobile Marketing, Web Entwicklung 18. Juli 2018

Google soll schon wieder Rekordstrafe zahlen

Der Kampf zwischen der EU-Kommission und Google spitzt sich weiter zu. Die Brüsseler Behörde wirft dem Netz-Giganten vor, seine Marktdominanz bei Smartphone-Betriebssystemen zu missbrauchen, und verdonnert Google zu einer Rekordstrafe in Höhe von 4,34 Milliarden Euro. Bereits vergangenes Jahr, als es um die Shopping-Suche ging, verhängte die Kommission 2,4 Milliarden Euro Strafzahlung gegen den US-Konzern. Durch die jetzige und mit Abstand höchste Kartellstrafe für ein einzelnes Unternehmen will die Kommission den US-Konzern dazu zwingen, dass er künftig mehr Konkurrenz auf Smartphones mit Android-System zulässt. „Wir wollen“, sagte die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Brüssel, „dass Google sein Verhalten ändert.“ Falls Google dem binnen 90 Tagen nicht nachkommen sollte, kündigte die Kommissarin weitere Strafzahlungen an – 15 Millionen Euro pro Tag, „auch rückwirkend“. Das kann zu einem munteren Hauen und Stechen zwischen Kommission und Konzern führen, denn laut dpa hat ein Google-Sprecher schon angekündigt, dass die Kommissionsentscheidung angefochten werde.

Mehr als 95 Prozent aller Suchanfragen

Das von Google entwickelte Android ist das am meisten benutzte Smartphone- System der Welt und allein in Europa in rund 80 Prozent der verkauften Geräte im Einsatz. Das bedeutet, dass in der Europäischen Union hunderte Millionen Nutzer damit umgehen. Android wird für die Geräte-Hersteller zwar kostenlos bereitgestellt, der Kommission ist dabei aber ein Ärgernis, dass Hersteller, die Google-Dienste einbinden wollen, ein Paket aus elf Apps auf ihre Geräte bringen müssen, darunter den Browser Chrome und die Google-Suche. Die Vorinstallation von Google als Standard-Suchmaschine sorgt nach Ansicht der Kommission dafür, dass die Verbraucher sie auch benutzen, statt sich Anwendungen eines Wettbewerbers herunterzuladen. So komme es, dass mehr als 95 Prozent aller Suchanfragen auf Android-Geräten im Jahr 2016 über Google gestellt worden seien. “Die große Mehrheit der Nutzer nimmt“, so die Wettbewerbskommissarin, „was mit dem Gerät kommt.“ Google hält dem laut dpa entgegen, dass die Bündelung mehrerer Apps nötig sei, weil die Nutzer die Google-Dienste sonst „nicht vernünftig“ einsetzen könnten.

Konkurrenz-Systeme haben den Wettbewerb verloren

Die Kommission kritisiert überdies, dass Google die Erlöse aus Werbung in der Such-App nur dann mit den Herstellern der Geräte teile, wenn sie dort exklusiv vertreten sei. Im Vorgehen des US-Konzerns sieht die Kommission insgesamt den Versuch, die Marktposition seiner Online-Angebote auf Mobil-Geräten auf unfaire Weise gegen andere Dienste-Anbieter abzusichern. Als einziges noch relevantes Mobil-Betriebssystem sei die iOS-Plattform von Apples iPhone übrig geblieben. Alle anderen Konkurrenz-Systeme wie Microsofts Windows Phone oder die Software von Blackberry hätten den Wettbewerb verloren. Begonnen hatte die Android-Auseinandersetzung im Jahr 2015. Neben dem bereits erwähnten Shopping-Suche-Fall rückt nun noch ein dritter ins Blickfeld: Dabei geht es um den Dienst AdSense for Search, bei dem andere Internetseiten Google-Suchmasken einbinden können. Auch hier wirft die Kommission dem Konzern vor, dass er die Möglichkeiten dieser Seitenanbieter einschränke, Werbung von Konkurrenten Googles ebenfalls anzuzeigen. Es sieht in diesem Konflikt zwischen EU-Kommission und Google alles in allem nach einer „unendlichen Geschichte“ aus. (rst, dpa, businessinsider.de, horizont.net, meedia.de)

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