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Im Corona-Krisengewitter Datenschutz, Technologie 22. März 2020

Im Corona-Krisengewitter

Täglich überschlagen sich die Meldungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Das Virus hat mittlerweile alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens erfasst und damit natürlich auch die Arbeitswelt, wo die Unternehmen – auch unsere Agentur INTEGR8 – so viele Prozesse wie möglich von ihren Mitarbeitern zu einem erheblichen Anteil im Homeoffice digital umsetzen lassen müssen. Das ist ein bislang so noch nicht erlebter Stresstest, der sowohl eine technische als auch eine inhaltliche Herausforderung darstellt. Zunächst einmal muss sichergestellt sein, dass die vorhandenen Netze der zusätzlichen Belastung standhalten. Der Deutsche Commercial Internet Exchange (DE-CIX) in Frankfurt am Main ist, gemessen am Datendurchsatz, der größte Internet-Knoten der Welt. Mitte März vermeldete DE-CIX bei den durchgeleiteten Daten mit 9,1 Terabit einen „Weltrekord“. Pressesprecher Carsten Titt glaubt dennoch nicht, dass es zu einer Überlastung kommen und der Knoten zusammenbrechen wird. „Eine physische Grenze für die Datenrate“, zitiert ihn die FAZ, „gibt es praktisch nicht“. Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Homeoffice betreiben würden, könne der DE-CIX „die notwendigen Bandbreiten für reibungslose Interconnection bereitstellen“.

Kapazitäten anheben und Netze entlasten

In diesen aufgeregten Zeiten ist die Sicherstellung von Kommunikation ein wesentlicher Faktor. Facebook zum Beispiel hat deshalb die Serverkapazität für WhatsApp nahezu verdoppelt, da weltweit immer mehr Sprach- und Videoanrufe getätigt werden. Netflix und YouTube schlagen dagegen einen anderen Weg ein, um die Netze in der Corona-Krise zu entlasten. Sie wollen ihre Videos erst einmal in etwas schlechterer Bildqualität als gewohnt anbieten. In den kommenden 30 Tagen soll nur noch in Standard-Auflösung statt in HD-Qualität übertragen werden. Das ergibt laut Netflix 25 Prozent weniger Datenverkehr.

Technologieanbieter profitieren

Der sprunghafte Anstieg von Homeoffice sorgt natürlich dafür, dass die Anbieter von entsprechender Software davon profitieren. Die Aktie der schwäbischen Firma Teamviewer etwa legte gegen den generellen Trend deutlich zu. Teamviewer und der amerikanische Anbieter Cisco sind laut FAZ im Lichte der Corona-Krise sogar dazu übergegangen, dass sie Nutzer, die ihre kostenlosen Versionen kommerziell verwenden, gegenwärtig nicht abmahnen. Konjunktur haben auch viele E-Learning-Apps, auf die Schüler und Studenten nach Schließung der Schulen und Universitäten angewiesen sind. Die Lern-App von Study Smarter zum Beispiel, einem Münchner Start-up, hat die Corona-Krise auf Platz eins der deutschen App-Charts katapultiert.

Anti-Fake-News-Allianz

Soziale Netzwerke sind besonders anfällig für die Verbreitung von Fake News. Im Hinblick auf das Coronavirus jagt in diesen Tagen eine Tatarenmeldung die nächste. So gibt es neben der technischen auch eine inhaltliche Herausforderung, auf die Krise zu reagieren. Facebook will nun den Kampf gegen Falschmeldungen verstärkt aufnehmen, indem es ein „Coronavirus Information Center“ oben im Newsfeed anzeigt, in dem Nachrichten und offizielle Informationen von nationalen Gesundheitseinrichtungen und globalen Organisationen wie der WHO gebündelt werden. Die Nutzer sollen sich außerdem in lokalen Gruppen untereinander verbinden können, um gegenseitige Hilfsangebote zu organisieren. Das Information Center wird zunächst in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und den USA verfügbar sein. Weitere Länder sollen folgen. Facebook steht mit dieser Initiative nicht allein. Vielmehr haben sich Google, Microsoft, Twitter, YouTube, LinkedIn und Reddit mit Facebook zu einer Allianz zusammengeschlossen und in einer gemeinsamen Erklärung bekräftigt, dass sie dafür sorgen wollen, dass Millionen von Menschen vernetzt bleiben, während sie gleichzeitig Betrug und Falschinformationen im Hinblick auf das Coronavirus bekämpfen, seriöse Informationen hervorheben und wichtige Neuigkeiten in Absprache mit den Regierungen und Gesundheitsbehörden rund um die Welt teilen.

Fehlinformationen stoppen und nützliche Hinweise geben

Die Corona-Krise hat in den Konzernen, was die Verlässlichkeit von Informationen angeht, offenbar zu einem Umdenken geführt. Mark Zuckerberg, der vor Jahren noch bei Desinformationskampagnen in seinem Netzwerk eine erstaunlich gelassene Haltung eingenommen hatte, sagt heute, dass Facebook keine Inhalte erlaube, „die eine unmittelbare Gefahr oder ein Risiko schaffen“. Das globale Soziale Netzwerk verbietet inzwischen Werbung, die wirkungslose Medikamente gegen das Coronavirus anpreist, ebenso Anzeigen für Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Covid-19-Testkits und ganz generell „ausbeuterische Taktiken in Anzeigen“. Google steht dem in nichts nach. CEO Sundar Pichai kündigte zahlreiche Maßnahmen an, mit denen Fake News unterbunden werden sollen, und zwar sowohl auf YouTube, Maps, dem Playstore als auch den Anzeigen im gesamten Werbenetzwerk von Google. Selbst die unabgestimmte Ankündigung von Präsident Donald Trump im Hinblick auf die Entwicklung einer gemeinsamen Website mit der US-Regierung, um zuverlässige Informationen zum Coronavirus zu bündeln, setzt Google jetzt um. Außerdem will der Technologiekonzern es Behörden, Firmen, Geschäften, Restaurants, Kneipen und Kaffees laut Pichai ermöglichen, in der Google-Suche und im Kartendienst Maps anzuzeigen, ob sie „vorübergehend geschlossen“ sind. (rst.)

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