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Online Marketing 07. November 2014

Der Axel-Springer-Verlag gibt auf

Zwei Wochen lang hat Axel Springer als einziger Verlag innerhalb der Rechteverwertungsgesellschaft VG Media Google eine Gratis-Lizenz zur Veröffentlichung von kurzen Textanrissen, Fotos und Videos für einige seiner Titel verweigert. „Als letztes gallisches Dorf“ wollte sich Springer nach den Worten seines Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner dem „Missbrauch von Googles Marktmacht“ nicht  beugen. Der Suchmaschinenkonzern will im Streit um das Leistungsschutzrecht nicht einsehen, dass er Verlagen Geld dafür bezahlen soll, dass er ihnen durch die „Snippets“, die kurzen Textanrisse bei den Suchergebnissen, Leser zutreibt.

Auf den Ergebnisanzeigen für welt.de, computerbild.de, sportbild.de und autobild.de gab es nur noch Links und Überschriften, Fotos und Videos überhaupt nicht mehr. Die Folge: Die verknappte Darstellung führte zu einem Traffic-Verlust von fast 40 Prozent bei den Springer-Titeln, bei Google News sogar zu einem Verlust von fast 80 Prozent. Nach zwei Wochen gab Springer auf. Würde der Verlag auf seiner Position beharren, „schießen wir uns aus dem Markt“, begründete Döpfner den Rückzug und wies die VG Media an, auch für diese vier Titel Google eine Gratis-Lizenz zu erteilen.

Das sei „vielleicht der erfolgreichste Misserfolg, den wir je hatten“, erklärte Döpfner. Denn so traurig es sei, man wisse jetzt sehr präzise, „wie massiv die Folgen der Diskriminierung sind, wie sich die Marktmacht von Google tatsächlich auswirkt und wie Google jeden bestraft, der ein Recht wahrnimmt, das der Deutsche Bundestag ihm eingeräumt hat“. An den Gerichten, Gutachtern und Wettbewerbshütern sei es nun, die richtigen Schlüsse aus dieser Marktmacht zu ziehen. Man sieht, Döpfner gibt die Sache noch nicht völlig  verloren. Das Gerichtsverfahren der VG Media gegen Google zur Durchsetzung des Leistungsschutzrechtes ist ja noch nicht abgeschlossen.

Döpfners Klage über die Marktmacht Googles hat auch ihre widersprüchlichen Seiten. Denn Springer hat ausschließlich Google die Gratis-Lizenz erteilt, nicht aber den übrigen kleineren Suchmaschinenbetreibern. Durch deren „Diskriminierung“ stärkt Springer die „Marktmacht“ Googles, die der Vorstandschef so lauthals anprangert.

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