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Künstliche Intelligenz – Maschinen lernen immer besser Web Entwicklung 23. Januar 2018

Künstliche Intelligenz – Maschinen lernen immer besser

Die Meldungen, was Künstliche Intelligenz (KI) leisten kann, überschlagen sich zu Jahresbeginn geradezu. Lernende Computer bringen sich selber das Schachspielen bei, erkennen Gesichter und übertreffen den Menschen mittlerweile beim Lesen. Spiegel Online zitiert US-Medien, die von einer wahren „Sturzgeburt übermenschlicher Intelligenz“ sprechen. Die Google-Tochter DeepMind etwa hat eine lernende Software AlphaZero entwickelt, die sich das Schachspielen in zahllosen Blitzpartien gegen sich selbst beigebracht hat. Binnen weniger Stunden war die Maschine so gut, schreibt Spiegel-Korrespondent Manfred Dworschak, dass sie das bislang weltbeste Schachprogramm schlug. Menschliche Gegner hätten gegen sie ohnehin schon längst keine Chance mehr. Wen diese Vorstellung gruselt, aus der Sorge heraus von diesen Maschinen überwältigt zu werden, den beruhigt das Magazin. Die Laufbahn von AlphaZero sei schon wieder beendet. Denn auf allen anderen Lerngebieten sei und bleibe die Maschine „eine Null“ – außer eben im Schach. Selbst „Mensch ärgere dich nicht!“ würde sie heillos überfordern.

Computer, die verstehen, was sie lesen

Eine zweite bahnbrechende Neuerung verkündeten zwei IT-Konzerne laut Spiegel Online fast gleichzeitig: Sowohl der US-Softwaregigant Microsoft als auch die chinesische Alibaba-Gruppe teilten mit, dass sie KI-Programme entwickelt hätten, die bei einem Standardtest im Leseverständnis besser abgeschnitten hätten als die menschlichen Testpersonen. Die Forscher der kalifornischen Stanford University, die den Test entwickelt haben, schränken dabei allerdings ein, dass ihr Testprogramm, so, wie sie es angelegt haben, die Maschinen tendenziell begünstigt habe. Denn diese verstünden nicht wirklich, was sie lesen. Sie lernten nur, auf Fragen zum Text die richtigen Antworten zu geben. Doch selbst wenn es sich bei den KI-Programmen lediglich um ein simuliertes Leseverständnis handelt, können dadurch künftig Informationsmengen im Internet bewältigt werden, von denen wir vor Jahren noch gar keine Vorstellung hatten.

KI verändert den Alltag fundamental

Microsofts Chefjustiziar Brad Smith hat jetzt in Berlin sein jüngstes Buch „The Future Computed“ vorgestellt und dabei gefordert, dass möglichst bald auch gesetzlich geregelt werden müsse, nach welchen Prinzipien die neuen KI-Systeme eingesetzt werden dürfen. Denn Künstliche Intelligenz, so Smith in einem Interview für den Berliner Tagesspiegel, werde unseren Alltag fundamental verändern. Früher hätten wir beim Aufwachen das Radio oder den Fernseher angeschaltet und die Zeitung aufgeschlagen, heute griffen viele zuerst zum Smartphone. Und in 20 Jahren würden wir digitale Assistenten haben, die uns beim Rasieren sagten, wie der Verkehr und das Wetter sein würden, und zwar auf unseren individuellen Routen und denjenigen Orten, die am entsprechenden Tag im Kalender stünden. Auch die Medizin werde, so Smith im Tagesspiegel, „viel personalisierter“ sein. Wir würden nicht mehr so oft zum Arzt gehen müssen, sondern Geräte könnten die Gesundheitsdaten messen und übertragen. Bei Bedarf würden wir per Video mit dem Arzt sprechen und sollte er Medikamente verschreiben, würden die von einer Drohne geliefert werden.

Es werden Jobs verschwinden und neue entstehen

Natürlich, räumt Smith ein, würden Jobs verschwinden, aber es würden auch neue entstehen. Das sei beim Übergang der Wirtschaft vom Pferd zum Auto nicht anders gewesen. Da sei klar gewesen, dass man für die Pferdehaltung künftig weniger Leute brauchen würde, dafür aber welche, die Autos bauen, fahren und reparieren könnten. Entscheidend seien jetzt im Zeichen des Aufkommens von KI Investitionen, damit die Menschen neue Fertigkeiten lernten. Jeder Hochschulabsolvent sollte mindestens einen Programmierkurs hinter sich gebracht haben – und wenn die Computer in Zukunft „ein bisschen mehr wie Menschen denken sollen“, so der Chefjustiziar von Microsoft, dann müssten auch viele Sozialwissenschaftler ihren Beitrag dazu leisten und die Programmierer sich mehr mit Geisteswissenschaften beschäftigen und die Geisteswissenschaftler mehr mit Informatik. (rst, tagespiegel.de, spiegel.de)

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