Das Metaverse –
Zwischen Realitäten und Visionen

“Wir glauben daran, dass das Metaverse der Nachfolger des mobilen Internets sein wird. Wir werden uns präsent fühlen, als ob wir direkt vor Ort wären, egal wie weit weg wir voneinander sind.”

Mark Zuckerberg, Oktober 2021

Mark Zuckerberg hat mit der Umbenennung seines Unternehmens von Facebook zu Meta weltweit hohe Wellen geschlagen, doch insbesondere das, was dahinter steht, das Metaverse, hat für großen Aufruhr gesorgt und polarisiert. Denn das Metaverse hat das Potenzial, der Meilenstein der digitalen Revolution zu werden, indem es künstliche Intelligenz, Virtual und Augmented Reality, Blockchain Systeme und das Web 3.0 zusammenbringt und somit Kryptowährungen sowie NFTs weiter an Wert wie auch Relevanz gewinnen werden.

Das Metaverse ist eine komplett digitalisierte Welt, die neben unserer analogen Welt existiert. Eine Welt, in der wir parallel zu unserer Existenz in der analogen Welt existieren und an dieser partizipieren dürfen.

Weniger Revolution als Evolution

Wie viele Innovationen unserer Gegenwart finden sich Idee und Namensgebung zuerst in der Literatur. Als Neil Stevenson 1992 seinen Science Fiction Roman “Snowcrash” veröffentlichte und den Begriff Metaverse in diesem Zusammenhang erschuf, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass er 30 Jahre später von Mark Zuckerberg übernommen werden würde und zum Leitbegriff der digitalen Revolution avancieren könnte. Das sah 2011, als der dystopische Science Fiction Debütroman von Ernest Cline ”Ready Player One” zur Virtual Reality Revolution publiziert wurde bereits ganz anders aus. Das Internet der Dinge war kein Novum mehr, das Hive Bewusstsein durch das Web 2.0 bereits etabliert und durch Social Media Plattformen und Suchmaschinen auch monetär erschlossen, der Bitcoin als erste Kryptowährung bereits 2009 geboren, während im E-Commerce Goldgräberstimmung herrschte.

So wurde aus der vermeintlichen Eintagsfliege – durch Persönlichkeiten wie Bill Gates und Angela Merkel anfangs hoffnungslos unterschätzt – die größte Erfolgsgeschichte des Silicon Valley. Immer smartere Algorithmen steigerten nicht nur die Macht und den Erfolg der Tech-Giganten, sondern erschufen gleichermaßen neue, von künstlicher Intelligenz gestützte Geschäftsmöglichkeiten. So ist das Metaverse tatsächlich weniger als digitale Revolution, sondern vielmehr als natürliche Evolution und die logische, folgerichtige Entwicklung des Internets und der technischen Möglichkeiten zu sehen.

Global Player, Second Life und ganz viel Horizon

In der 2018 erschienen Blockbuster-Verfilmung von “Ready Player One” zeigt Steven Spielberg sehr anschaulich, wie man sich das Metaverse als gigantischen Schmelztiegel von Webspaces und Virtual sowie Augmented Reality vorstellen könnte. Auch Mark Zuckerberg vermittelt in seinem Video zum Metaverse recht konkrete Vorstellungen, während er gleichzeitig eine utopische zusammenwachsende künftige Welt skizziert.

Der Begriff Metaverse ist eine Wortneuschöpfung, die sich aus dem altgriechischen Wort meta für jenseitig und dem Wort Universum zusammensetzt und damit eine digitale Parallelwelt beschreibt und im Sinne eines “Second Life”, eines zweiten digitalen Lebens gestaltet werden soll, wo die Grenzen zwischen der realen, materiellen Welt und der digitalen Parallelwelt miteinander verschmelzen.

In Sachen Metaverse ist Meta nicht der einzige Global Player. Mit “Mesh” hat Microsoft bereits eine Mixed Reality Plattform erschaffen, die eine natürliche Weiterentwicklung der Kommunikationsplattform Teams darstellt und bereits von Accenture genutzt wird und auch die Spieleindustrie mischt bereits fleißig mit.

Mark Zuckerberg hat sein soziales Metaverse im Sinne von Social Media in drei Kategorien unter dem Namen “Horizon” unterteilt: “Horizon Home”, “Horizon Worlds” und “Horizon Work”.

“Horizon Home” ist die social Version des Metaverse. Dort können wir unser Zuhause nach Belieben gestalten, unsere Freunde dorthin einladen, gemeinsam spielen und miteinander kommunizieren.

“Horizon Work” ist das digitale Pendant zu unserer Arbeitswelt. Dort halten wir Meetings ab, treffen Kollegen und haben der analogen Arbeitswelt gegenüber überlegene Arbeitsmittel.

In “Horizon Worlds” wird es richtig “abgefahren”. Wir können unsere eigenen Welten gestalten oder diese mit anderen Personen zusammen erschaffe, in fremde Welten reisen, sie erkunden und Abenteuer erleben. “Horizon World” verspricht eine Spielwiese voller unendlicher Möglichkeiten zu werden, ein schillernder Ort der interaktiven Webspace Kreation.

So wie bei Microsoft “Mesh” der Fall ist, erschaffen wir uns digitale Avatare, die für uns in der digitalen Welt interagieren. Ähnlich wie wir es bereits aus der Game Welt kennen, können wir uns unterschiedliche Skins und Items zulegen, sie jedoch in die unterschiedlichen Webspaces des Metaverses mitnehmen, was in den derzeit voneinander isolierten Webspaces nicht möglich ist.

Digitale Brückenbauer

Aktuelle Metaverse Anwendungen sind prinzipiell nichts anderes als Webspaces, die noch nicht miteinander verknüpft wurden. Eine bunte Vielfalt von webbased shared Environments werden uns miteinander verbunden im Metaverse erwarten, zusammen mit neuen Geschäftsideen und unbegrenzten Möglichkeiten – so blumig malt Mark Zuckerberg dies jedenfalls in seiner Video Keynote: “Das Metaverse und wie wir es zusammen aufbauen werden” (Connect 2021) aus. Bereits 2014 kaufte der Facebook Gründer das Unternehmen Oculus VR für zwei Milliarden US-Dollar und schuf in weiser Voraussicht auf die Gründung von Meta ein hochkarätiges Kooperationsnetzwerk mit einschlägigen Unternehmen aus der Spieleindustrie. Denn ein Metaverse ohne entsprechende Tools, Apps und gebridgeten Webspaces kann nicht existieren. Voraussetzung hierfür kann nur die Konvergenz einer ganzen Reihe von Technologien sein, was das eigentlich Spannende am Metaverse sein wird.

Unreal Engines beschäftigt sich nunmehr fast ausschließlich mit der Entwicklung von Design Tools, die es den Usern ermöglichen sollen, ihre digitalen Welten so offen und kreativ wie möglich zu gestalten. Auch arbeitet Meta mit seinen Kooperationspartnern fieberhaft daran, eine enge Kombination aus Augmented und Virtual Reality so kreativ wie möglich umzusetzen – erste Eindrücke hierfür zeigt Zuckerberg stolz in seiner Keynote. Nächstes Jahr schon soll das Metaverse durchstarten, was sich auch jetzt bereits im Investitionsverhalten von Kryptowährungsanlegern bemerkbar macht.

Goldgräberstimmung 3.0

So ist es auch kein Wunder, dass der Facebook-Chef bereits 2019 seine eigene Kryptowährung “Libra” voller Selbstbewußtsein mit folgenden Worten dem US-Kongress präsentierte: “Das Finanzsystem ist gescheitert; es gibt keine adäquate Finanzarchitektur, die den heutigen Anforderungen der digitalen Welt gerecht würde.” Übereilt und naiv sei Zuckerbergs Vorpreschen bei “Libra”gewesen, bekannte der Diem-Manager Catalini erst im Juli. Angeblich noch dieses Jahr soll der an den US-Dollar gekoppelte “Diem” in einem Pilotversuch auf den Markt kommen und stellt somit den zweiten Versuch in Sachen eigener Kryptowährung für Zuckerberg dar. Facebook-User könnten künftig damit US-Dollar gegen Diem eintauschen und sich mit der Facebook-App “Novi” untereinander Geld schicken. Als langfristiges Ziel haben die Diem-Manager ein Zahlungsmittel im Hinterkopf, dass das Facebook-Universum verlassen könnte: Zum Beispiel, um damit an der Supermarktkasse zu bezahlen.

Durch die Koppelung an den US-Dollar würde es sich beim Diem um einen sogenannten Stable Coin handeln. Das würde ihn weniger volatil machen. Herausgeber soll die kalifornische Firma Silvergate in San Diego sein.

Doch was ist eine Krypto- oder Cyberwährung eigentlich? Eine Krypto- oder Cyberwährung ist digitales Geld. Kryptografie ist die Wissenschaft zur Verschlüsselung von Informationen. Auf deren Prinzip beruhen die digitalen Währungen. Alle Daten zu Inhabern und Bewegungen werden verschlüsselt gespeichert. Und zwar nicht nur auf einem Server, sondern auf mehreren tausend gleichzeitig. Jede Transaktion ist so dezentral in einem Netzwerk gespeichert. Darum ist es fast unmöglich, Transaktionen zu fälschen. Dieses System nennt sich Blockchain.

Befürworter wie Mark Zuckerberg und Jeff Bezos, der Amazon Gründer, sehen die Kryptowährungen als Antwort auf das traditionelle Finanzwesen. Denn das digitale Geld benötigt keine Banken mehr, die Inhaber selbst werden zum Finanzinstitut. Ein zentrales Organ, das Geldfluss und Währung kontrolliert, fehlt. Die Käufer behalten stets die Kontrolle, sind aber gleichzeitig auch für die Sicherheit des Vermögens verantwortlich.

Die allgemeine sich steigernde Zuwendung in die Investition in Kryptowährungen offenbart einen Trend, der in der hohen Erwartungshaltung gegenüber der digitalen Revolution und infolgedessen des künftigen Siegeszuges des Metaverse begründet liegt. Die sechs größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung waren 2021 der gute alte Bitcoin (BTC) auf Platz eins, gefolgt von Ethereum (ETH) auf dem zweiten Platz sowie dem Binance Coin (BNB) auf dem dritten Platz, Tether (USDT), Solana (SOL) und Cardano (ADA) belegen in dieser Reihenfolge des Rankings die Plätze vier bis sechs.

Doch neben den Blockchain basierten Kryptowährungen existieren weitere Webassets, die sich zunehmend wirtschaftlicher Bedeutung erfreuen und die als ebenso zukunftsweisend im Metaverse gelten, die so genannten NFTs.

Der Vormarsch der digitalen Artefakte

NFT ist die Abkürzung für Non-Fungible Token, zu Deutsch: Nicht austauschbare Wertmarke. Ein Token ist die digitalisierte Form eines Vermögenswertes. Der Token besitzt also einen gewissen Wert oder eine bestimmte Funktion. Gleichzeitig können aber auch echte Vermögenswerte wie Immobilien oder Musikrechte “tokenisiert” werden, indem die damit verbundenen Rechte und Pflichten auf den Token überschrieben werden. Das heißt, die Besitzverhältnisse werden digital abgebildet und sind somit handelbar. Ein Token kann sowohl fungible, austauschbar, als auch non-fungible, nicht austauschbar, sein. Im Grunde bedeutet „nicht austauschbar“ in diesem Sinne nur, dass es sich um einen einzigartigen digitalen Vermögenswert handelt, der nicht eins zu eins gegen einen anderen getauscht werden kann. Non-Fungible Tokens kann man mit Kunstobjekten wie Gemälden vergleichen. Diese besitzen einen individuellen Wert. Wenn man sie gegeneinander tauscht, erhält man in der Regel nicht denselben Wert, den man weitergibt. Dies eröffnet natürlich einen komplett neuen Markt, nicht nur für die Kunst, sondern beispielsweise auch für Sneaker sowie unendlich viele mögliche digitale Artefakte bzw. Tokens, die man im Metaverse besitzen kann. Erst kürzlich kaufte Nike die auf Sneaker NFTs spezialisierten RTFKT Studios auf, um im derzeit florierenden Sneaker NFT Handel mitzumischen.

Zeit der Weichenstellung

Neben dem nachvollziehbaren Enthusiasmus um das Metaverse und Mark Zuckerbergs gigantisches Millionen Dollar schweres Investitionsvolumen in dieses ambitionierte Projekt, werden auch kritische Stimmen laut. Natürlich wird auch hier die Gefahr einer Monopolisierung durch Meta wie wir sie im Social Web durch Facebook kennen, gesehen. Immerhin hat sich Zuckerberg mit seinem Kauf von Oculus VR und somit auch von Quest ein großes Stück des digitalen Kuchens gesichert und ist in Sachen Entwicklung ganz weit vorne: So steht er mit Vertigo Games in Kooperation, hat sich in Sachen live-service Games in diesem Zusammenhang bereits optimal positioniert und auch hinsichtlich Quest 2 mit dem derzeitigen Oculus Gaming Showcase des Rockstar Klassikers Grand Theft Auto San Andreas in Sachen Development eine Pool Position gesichert

Das Metaverse kann nur florieren, wenn alle daran mitgestalten und mitverdienen können und das ist über Blockchains möglich.

Überhaupt wird Quest 2 mit seiner innovativen Hand Tracking Technologie, also der KI gestützten “Handinteraktion” im virtuellen Raum ohne Controller aufgrund seiner Userfreundlichkeit viele User ansprechen und abseits der Vielfalt von Tools, Games, Fitness- und Bildungsangeboten an Meta binden. Das Facebook Reality Lab ist in Sachen immersive, augmented bzw. Mixed Reality die Verschmelzung von Realität und augmented Reality zu perfektionieren und das auch in Verbindung mit SDK, gelungen. Auch wenn Zuckerberg seinen Kritikern mit dem Versprechen der Demokratisierung der AR Creation und der Förderung der globalen Developer und Creator Community durch viel Geld und Programme wie AR Curriculum, den Wind aus den Segeln nehmen möchte, sind deren Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen.

Darüber hinaus, so meinen Kritiker, dürfe nicht vergessen werden, dass das Metaverse und sich die damit eröffnenden Möglichkeiten remote zu arbeiten, sich virtuell zu teleportieren und zu reisen, nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass bereits jetzt die globalen Server für ein Web 2.0 und punktuelles Web 3.0 einen CO2 Verbrauch wie Spanien über das letzte Jahr hatte und dass sich dieser Trend mit dem Ausbau des Metaverse fortsetzen werde.

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