Die Schattenseiten von Künstlicher Intelligenz

Die Haltung gegenüber Künstlicher Intelligenz (KI) ist, vorsichtig ausgedrückt, ambivalent. Auf der Seite der technologischen Laien ebenso wie auf der Seite der Experten. Viele erhoffen sich zum Beispiel, dass KI ihr Alltagsleben einfacher machen wird, gleichzeitig spiegeln jüngste Studien Ängste wider – um den Verlust des Arbeitsplatzes oder darum, dass negative Nebenfolgen dieser Entwicklung in absehbarer Zeit nicht mehr zu beherrschen wären. Die Vorteile von KI für das Marketing liegen auf der Hand, weil durch rasend schnelles A/B-Testing viel besser überprüft werden kann, ob eine Kampagne funktioniert oder nicht. Welche Konsequenzen die neuen Technologien aber für die Privatsphären haben werden, ist mehr und mehr umstritten. Für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist jeder staatliche Regulierungsversuch des Teufels, Tesla-Gründer Egon Musk dagegen warnt mittlerweile vor den gravierenden Folgen einer technologischen Entwicklung, die aus dem Ruder läuft. Und er steht damit auch in Deutschland nicht allein. In einem Interview für „HORIZONT Online“ sagt etwa der scheidende Präsident vom Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA), Wolf Ingmar Faecks, es werde noch komplett unterschätzt, was Artificial Intelligence (AI) für die Gesellschaft bedeute.

Apple-Chef Tim Cook über „das nächste große Ding“

In einem Interview, das Apple-Chef Tim Cook gerade erst der F.A.Z. gab, sprach er unter anderem über „das nächste große Ding“. Das iPhone X werde ein riesiger Erfolg sein. Es sei mit Technologie für das nächste Jahrzehnt vollgestopft, mit Technologie, die „für die kommenden Jahre die Richtung vorgibt“. Neue Kategorien kämen nicht jeden Tag, so Cook, man nehme sich Zeit, sei geduldig. Augmented Reality sei künftig eine große Sache. Man dürfe Software in der Betrachtung des Neuen nicht unterschätzen. Augmented Reality sei so groß wie die Multitouch-Bedienung, die mit dem ersten iPhone eingeführt wurde. Multitouch habe alles verändert. Davor hätten die Leute Knöpfe benutzt, dann begannen sie plötzlich, die Software zu berühren – und heute könnten sie es sich gar nicht mehr anders vorstellen. „Mit Augmented Reality wird es genauso sein.“

Technischer Fortschritt ist für die Guten und die Bösen nutzbar

Zur Leistungsfähigkeit des neuen Smartphones zählt unter anderem die Gesichtserkennung, womit unmittelbar die Privatsphäre eines jeden Nutzers tangiert ist. Die Technik selbst, sagt Cook in dem Zusammenhang, wolle nichts Gutes tun oder irgendetwas Schlimmes. „Die Technik will gar nichts tun. Menschlichkeit muss von einer anderen Seite dazukommen.“ Genau das wolle Apple versuchen. In der Frage der Privatsphäre stehe man auf Seiten der Kunden. „Wir sollten ihre Nachrichten nicht lesen. Das erwarten sie von uns. Und deshalb haben wir auch keinen Zugang dazu.“ Apple versuche wirklich, das Richtige zu tun. Die Kritiker der Künstlichen Intelligenz beunruhigt genau dieser Gedanke, dass  die Nutzer vom guten Willen, von der „Ethik“ Apples, Googles oder Facebooks abhängig sind. Faecks etwa hat „wirklich die Schuhe ausgezogen“, dass Israel bezogen auf die Gesichtsverifikation eine Software entwickelt hat, die unter anderem nur aufgrund des Gesichts sagen könne, ob der Betreffende homosexuell sei oder nicht. Israel begründet diese Forschungen mit der Bekämpfung des Terrors. Je mehr die Politik ein Gefühl von Unsicherheit und Bedrohung vermittle, desto ungestörter könne weiter in diese Richtung geforscht werden, fürchtet Faecks im HORIZONT-Interview. Die bloße Hoffnung darauf, dass Apple „eine anständige Firma bleibt“, ist ihm zu wenig. Denn technischer Fortschritt sei immer für beide Seiten nutzbar, für die Guten und die Bösen. Deshalb reiche es nicht, die Errungenschaften von Künstlicher Intelligenz zu bestaunen. Man habe es mit einer entfesselten Industrie zu tun – „das kann nicht einfach so unreguliert weiterlaufen“. (rst, faz.nethorizont.netpresseportal.de)

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