Google will mit Verlagen Frieden schließen

Die Zeiten, in denen die deutschen Zeitungsverlage mit Axel Springer als Speerspitze ausschließlich auf Konfrontationskurs schalteten, sobald es um Google ging, könnten bald vorbei sein. Denn Philipp Schindler, Chief Business Officer von Google, kündigte jetzt in Mountain View an, dass der Internetkonzern sein „First Click Free“-Prinzip aufgeben will, mit dem er die Verlage zwang, mindestens drei Artikel pro Tag kostenlos für die Google-Suche und für Google News zur Verfügung zu stellen. Künftig sollen die Verlage selbst entscheiden können, wie viele Artikel sie auf den Google-Seiten freischalten. Die Bezahlschranken für kostenpflichtige Inhalte konnten bislang via Google-Suche leicht umschifft werden. Doch das wird den Nutzern, sofern es Google ernst damit ist, nicht mehr so leicht möglich sein. „Wir wollen den Verlagen dabei helfen, in der digitalen Welt erfolgreich zu sein“, begründet Schindler den neuen Ansatz.

„Im Idealfall bekommen wir das mit einem Klick hin“

Sein Manager-Kollege Richard Gringas unterstreicht, dass Google den Verlagen überdies dabei helfen wolle, neue Zielgruppen anzusprechen, erfolgreiche Abo-Modelle zu entwickeln und die Umsätze zu steigern. Zur Zeit, so Gringas, seien viele der Bezahlangebote der Verlage aber noch zu kompliziert. Man benötige viel zu viele Klicks, um einen Artikel zu kaufen. Das schrecke die Anwender ab. Google preist den Verlagen deshalb seine eigenen Bezahlfunktionen an, um den gesamten Einkaufsprozess zu erleichtern. „Im Idealfall“, sagt Gringas, „bekommen wir das mit einem Klick hin.“ Bei der Entwicklung dieses neuen „Flexible Sampling“-Modells sind auch Testergebnisse eingeflossen, die Google in Kooperation mit der „New York Times“ und der „Financial Times“ erzielt hat. Wie Schindler außerdem betont, sammle Google schon heute für viele Verlage Geld für deren Inhalte ein. Im Jahr 2017 schüttet der Konzern rund 9,3 Millionen Euro an die Publishing-Partner aus. Der Grund für das Interesse Googles an der Zusammenarbeit mit großen Verlagshäusern liegt auf der Hand. Wenn deren Artikel die Leser über die Google-Suche erreichen, steigert das natürlich auch die Werbeerlöse von Google.

„Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich“

In seiner Eigenschaft als Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) reagiert Mathias Döpfner ausgesprochen positiv auf den  Kursschwenk von Google. Die Ankündigung, jetzt mit den Verlagen an Modellen für kostenpflichtige Inhalte zu arbeiten, ist erfreulich und ermutigend.“ Auch wenn die konkrete Umsetzung noch ausstehe und Details noch zu klären seien, „begrüßen wir diese Entwicklung ausdrücklich“. Es ist noch nicht allzu lange her, da klangen die Töne weitaus schriller. Als einziger Verlag innerhalb der Rechteverwertungsgesellschaft VG Media hatte Springer Google eine Gratis-Lizenz zur Veröffentlichung von kurzen Textanrissen, Fotos und Videos für einige seiner Titel verweigert. „Als letztes gallisches Dorf“ wollte sich der Vorstandsvorsitzende Döpfner dem „Missbrauch von Googles Marktmacht“ nicht beugen. Er hielt es gerade mal zwei Wochen durch, da „welt.de", "computerbild.de", „sportbild.de" und „autobild.de" Traffic-Verluste von bis zu 40 Prozent, bei Google News sogar von fast 80 Prozent zu verzeichnen hatten. Würde der Springer-Verlag auf seiner Position beharren, „schießen wir uns aus dem Markt“, sagte Döpfner damals und wies die VG Media an, auch für diese vier Titel Google eine Gratis-Lizenz zu erteilen. Diese Scharmützel dürften nunmehr der Vergangenheit angehören. Heute stehen die Zeichen auf Kooperation. (rst, faz.nettagesspiegel.dehorizont.netmeedia.dedpa-news.de)

Share on facebook
Share on linkedin
Share on xing
Share on whatsapp
Share on email