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Apples Anti-Tracking-Strategie wird für Werber teuer Web Entwicklung, Datenschutz, Online Marketing 15. Januar 2018

Apples Anti-Tracking-Strategie wird für Werber teuer

Pünktlich zu Beginn des neuen Jahres schreckt eine Meldung der britischen Zeitung „The Guardian“ die Werbebranche im Hinblick auf ein Thema auf, das schon vor einem halben Jahr einigen Staub aufgewirbelt hat: Es geht um die „Intelligent Tracking Prevention“ (ITP), die Apple jetzt in seine Safari-Browser-Technik integriert, um zu verhindern, dass Werber die Wege von Nutzern im Netz weiterhin problemlos tracken können. Apple setzt sich dadurch sozusagen mit an die Spitze der Bewegung derer, die die Privatsphäre der Verbraucher schützen wollen. Schon die Ankündigung im Frühsommer 2017, Video-Anzeigen sperren und Retargeting reduzieren zu wollen, hatte die Aktien des Technologieunternehmens Criteo kurzfristig einbrechen lassen und nach der ITP-Realisierung wird nun befürchtet, dass sie Werbe- und Adtechfirmen „Hunderte Millionen US-Dollar“ kosten könnte. Dem Guardian zufolge befürchtet Criteo Umsatzeinbrüche im Umfang von 22 Prozent. Apple kann dies mehr oder weniger gelassen betrachten, da der Konzern im Gegensatz zu Facebook oder Google von Werbeeinnahmen weniger abhängig ist.

Google sucht den Mittelweg

In seinem Browser Chrome bietet Google ebenfalls immer mehr Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre der Nutzer an, da auch dieser Konzern auf jüngste Entwicklungen wie die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union oder die E-Privacy-Verordnung des EU-Parlaments reagieren muss (vgl. dazu auch: https://www.integr8.com/blog/e-privacy-werber-und-verleger-laufen-sturm/, https://www.integr8.com/blog/eu-datenschutz-grundverordnung-nicht-alle-unternehmen-sind-gut-vorbereitet/). Im Unterschied zu Apple arbeitet Google dabei aber mit der Werbeindustrie zusammen und sperrt nur die lästigsten und aggressivsten Werbemittel. Lobbyorganisationen wie das „Interactive Advertising Bureau“ (IAB) kritisieren an Apple deshalb vor allem das Vorpreschen. Denn bislang ist die Rechtslage noch so, dass Cookies und Trackingtools trotz der aktuellen politischen Diskussionen so lange eingesetzt werden dürfen, bis ein Nutzer sie aus eigenem Entschluss heraus sperrt. Am 25. Mai 2018 dürfte damit allerdings so oder so Schluss sein, weil dann die neue Datenschutz-Grundverordnung EU-weit in Kraft tritt, die verlangt, dass die Nutzer ihre Bereitschaft zum Tracking generell aktiv bestätigen müssen.

Apple bleibt hart

Um Apples Trackingschutzwall zu umgehen, empfiehlt Google seinen Werbekunden unter anderem, das Analyseinstrument „Analytics“ einzusetzen. Auch Criteo lässt verlauten, dass man Mittel und Wege finden werde, die neuen Safari-Browser-Sperren zu überwinden. Die Hoffnung der Werbebranche, sich mit den großen Playern – also auch mit Apple – auf Trackingstandards verständigen zu können, die „kundenfreundlich“ seien, kann sie, zumindest was Apple betrifft, begraben. Die Antwort des US-Technologiekonzerns auf die Kritik an seiner ITP-Strategie ist unmissverständlich: Die Technologie zur Anzeigenverfolgung sei so weit fortgeschritten, dass Unternehmen den Großteil des Browserverlaufs einer Person neu erstellen könnten. Dafür fehle der Industrie aber die Genehmigung – und deshalb werde Apple seine Nutzer davor schützen. (rst, meedia.de, heise.de, investors.com, itopnews.de, macerkopf.de)

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